 | | Farland, D 2004, R+B: Michael Klier, B: Undine Damköhler D: Richy Müller, Laura Tonke, Daniel Brühl, Karina Fallenstein, Thure Lindhardt, Fabian Busch, Andreas Schmidt Verleih: X-Verleih, Bundesstart: 26.8.2004 | | |
Erklärungsnot In Michael Kliers Kino gab es schon Migranten, da war der Begriff Migrantenkino noch nicht erfunden. Wenn er junge Polen zeigte, wie sie sich in Berlin durchschlagen, ging es ihm nie allein um ein realistisches Abbild von Lebenssituationen. Lange vor Fatih Akin kehrte Klier die Bewegung von einem Ort zum anderen ins Existenzielle. Ihn interessierte die Figur des Nichtbeheimatetseins als generelle Unduldsamkeit gegenüber miesen Verhältnissen. “Wo ich herkomme, gibt es einen Supermarkt, eine Tankstelle und eine Sparkasse – und noch ’nen Supermarkt, und noch ’ne Tankstelle und noch ’ne Sparkasse,” sagt eine junge Ausreißerin in Kliers Debüt “Überall ist es besser wo wir nicht sind” (1989).Erstmalig muss in “Farland” jemand zurückkehren an einen solchen Unort. “Nie wieder”, hatte Karla eigentlich gesagt. Aber jetzt liegt ihre Schwester nach einem Autounfall im Koma, und die Mutter ist auf Reisen. Laura Tonke spielt die Karla als Twen-Version ihrer Elfi aus Kliers “Ostkreuz”, Unterlippe und Nase in dieser unübertroffenen “Ich weiß, was ich nicht will”-Position. Die aus sandiger Brache gestampfte und mit riesigen Einkaufsmärkten verstellte Einfamilienhaus-Siedlung filmte Hans Fromm, der schon für Christian Petzolds “Die innere Sicherheit” solche mitreißenden Bilder des Transits fand, als menschenleeren Durchgangsort. Gleichwohl wohnen hier Leute, einer ist sogar aus Dänemark hingezogen. In früheren Klier-Filmen wäre das vielleicht noch als rätselhafte Schrulligkeit durchgegangen. Heute muss sich der junge Mann erklären: “Ist doch egal, wo man ist. Hauptsache, man hängt an was dran. Sonst hängt man in der Luft.” Wie man hier überhaupt die ganze Zeit zugetextet wird. In Heidi M. zeichnete sich das schon ab. Davor vertraute Klier seinem Personal. Es durfte in ausdrucksloser Umgebung wortkarg Haltung beziehen gegen die so verfasste Welt, während sich ihm die Kamera zuneigte, ohne je aufdringlich zu sein. Jetzt dagegen wird allen die Jacke von der Seele gezogen. Der Polizist des Ortes und Ex von Karla (Daniel Brühl), Axel (Richy Müller), der Vater des ebenfalls verunglückten Jungen, oder dessen Frau (Karina Fallenstein), jeder sucht nach Aussöhnung. Klier geht nicht so weit, sie allen am Ende zu gewähren. Trotzdem: Große Dramen, das Koma und mögliche Läuterungen im Angesicht des Todes sollte man jemandem wie Pedro Almodóvar überlassen, der mit Theatralität humorvoll umgehen kann. Christiane Müller-Lobeck
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