BlowBlow, USA 2001. R: Ted Demme, B: David McKenna, Nick Cassavetes (ja, der Filius vom großen John), K: Ellen Kuras, Sch: Kevin Tent, P: Ted Demme, Georgia Kacandes, Michael de Luca und besondere Erwähnung muß der lustige Kostümdesigner finden: Mark Bridges. D: Johnny Depp, Penelope Cruz, Franka Potente, Ray Liotta.
Kinowelt 26. Juli 2001

Seifenpulver

Leute auf Koks sind aufgedreht, exzentrisch und schäumen vor Liebe. "Blow" ist ein Koksfilm. Und erzählt behäbig, ideenarm und lieblos die Karriere eines Großdealers. Der schäumt auch vor Liebe. Zu Papa. Auf den ist er ganz fixiert, eine wahre Freud'. Seine große Liebe liebt er auch. Das ist unsere Franka Potente. Erst hat sie Nasenbluten, dann Krebs, dann stirbt sie, was den tollen Hollywoodjob auf eine magere Viertelstunde eindampft. Trösten tut der Dealer sich mit einer wirklich scharfen Schnepfe, die bekommt er vom Großgroßdealer, dem großen Pablo Escobar. Nach einer Stunde hat sie sich das Hirn zugepulvert und wäscht sich nicht mehr. Zum Schluß liebt er dann nur noch sein Töchterchen. Die besucht ihn kein einziges Mal im Gefängnis. Armer Dealer.

Was wirklich anstrengt ist, daß Ray Liotta mitspielt und einen die ganze Zeit an "Goodfellas" erinnert und wie großartig ein Film sein kann, wenn er über Süchte und den Wertkonservatismus unter Kriminellen erzählt. Der Familienterror aus dem "Paten" fällt einem noch ein und die Dekororgie "Boogie Nights". Aber gegen alle bleibt "Blow" ein matter Furz, obwohl er so heißt. Hätte der Film diese offenbaren Vorbilder wenigstens intelligent beklaut, wäre ordentliches Popcornkino bei rumgekommen. Hier aber verseift die Story über ein geschmackloses dröges Weichei zur chauvinistischen Familientragödie, in der Frauen entweder Engel oder geldgeile Schlampen sind, in der jede Schweinerei irgendwie okay ist, solange sie Kleinbürgerglück verspricht. Daß der Stoff, aus dem der Held Kapital schlägt, nicht nur seine, sondern die Birnen Tausender weichgespült hat, wird geflissentlich ausgeblendet. Sauber.

Die einzigen, die während der trägen Geschichte gekokst haben, waren die Ausstatter. Die stecken Penelope Cruz und Johnny Depp hemmungslos unter wischmoppmäßige Perücken und in DDR-Campingplatzoutfits, die hatten garantiert ihren Spaß. Außerdem muß Johnny in jeder zweiten Szene riesige Abtönsonnenbrillen tragen, man erkennt überhaupt nichts. Vielleicht hat er die ganze Zeit mit den Augen gerollt. Ich ja.

Urs Richter


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