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My Name is Joe Ken Loach, UK 1998 Für alle, die den Regisseur Ken Loach durch "Riff-Raff" oder "Raining Stones" als den Co-Vater der Thatcherismusopferkomödie kennengelernt und liebgewonnen haben und sich nichtsdestotrotz erschaudernd vom darauffolgenden Revolutionskitsch a la "Land and Freedom" oder "Carla's Song" abwenden mußten, hält filmtext.com nun eine Nettigkeit parat: Der neue Loach-Film "My Name is Joe" führt uns von den VivaSandinistaLagerfeuern wieder zurück in die taubengraue Trostlosigkeit der Arbeitslosen, Alkoholkranken und Sozialengagierten eines Glasgower Armenviertels. Ein hemdsärmeliger, schlagfertiger, schottischer Paul Newman-Verschnitt hat mit allem zu kämpfen, mit was ein gestandener Kerl mit Herz auf dem richtigen Fleck in einem Ken Loach Film eben so zu kämpfen hat: mit der Unbegnadetheit seiner - der schlechtesten - Fußballmannschaft Schottlands, mit chronischer pekuniärer Unterversorgung, mit der Drogensucht einiger seiner Anvertrauten, mit der ortsansässigen Dealer- und Schlägergang, mit den Bürokraten vom Sozialamt und nicht zuletzt mit den eigenen Sentimentalitäten. Denn - man ahnt es unschwer - der Mann hat zwar jederzeit und sogar als ihm seine neuerworbene Herzensdame den Schniddel im Hosenlatz einklemmt noch einen markigen Spruch in Reserve, aber eigentlich ist er reine Butter. Damit unser Held nicht nur der heilige Franz der Nachbarschaft sein muß, bekommt er gleich zu Beginn des Films eine dramatische Vergangenheit zugeschustert: "Hello, my name is Joe. I am an alcoholic. But now I am fucking clean."- so trompetet er mustertherapiert in die leutselige Runde der Anonymen Alkoholiker. Der Rest ist Drehbuchschule. Drogen, Schläger, Bürokraten und die Launigkeit der neuen Freundin bauen irgendwann einen Außendruck auf, der sogar einen Kerl wie Joe in die Knie zwingt und in der Plastiktüte klimpern lustig die Vodkaflaschen. Einen alles bereinigenden Suizid später kann es dann aber wieder von vorne und besser beginnen. Ich habe mich nicht gelangweilt, aber ein guter Grund für einen Kinobesuch von 'My name is Joe' ist mir doch nicht eingefallen. Für Leute, die an 'Alles oder nichts' und 'Brassed off' Spaß hatten. Urs Richter
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