|
Starship Troopers Paul Verhoeven, USA 1997 Der Film ist elegant, intelligent, bösartig und etwa eine Viertelstunde zu lang. Verhoeven zieht die vielbeschworene Vermischung von fürs Fernsehen Aufbereitetem und wirklich Erlebtem konsequent durch. Die Grenze zwischen 'Komm zum Bund, da gehts rund' Werbespots und echtem Killen von echten Aliens wird nur noch durch Zwischentitel markiert, was Darstellung und Erzählweise angeht, gibt es keine Unterschiede mehr. Worum geht's? Die schicke Highschoolabsolventenclique muß sich entscheiden: Gehen wir zur Weltarmee, und wenn ja, zu den Prolls der Bodentruppe, zu den PSI-begabten Gentechnikfaschisten oder den Cockpitschnallen der Luftflotte? Klar, daß die Freundschaften sich trennen. Klar auch, daß die Freundschaften durch Karrieren, Nebenbuhlerschaft, Seitensprünge und Dahinsterben erhebliche Prüfungen zu bestehen haben. Ebenso klar aber auch, daß das finale Alienmassakrieren nur mit vereinter Kraft erfolgt und wieder alles beim Alten landet. "Jetzt sind wir die erfahrenen Füchse" sagt einer irgendwann. Eigentlich ist 'Starship Troopers' also eine Art Highschoolkomödie als Computergame. Es gibt keine einsamen Helden, es gibt keine gesellschaftlichen Hierarchien. Wer verreckt, wird zusammengeflickt und fängt sein Bonusleben mit null Punkten von vorne an. Wer überlebt, füllt die Lücken auf. Es gibt keine Liebesgeschichten. Gevögelt wird, wenn man in der gleichen Division kämpft. Wer nicht in der gleichen Division kämpft, kann nicht gevögelt werden. Es gibt auch keine Gegner. Es gibt numerische Unter- oder Überlegenheit. Ob Alien oder Du ist eine Frage der Munitionsreserve und keine der Finten. 'Starship Troopers' - ein extralanges Videospiel. Ein Videospiel, das sich hemmungslos am Krabbeltisch des Genrekinos bedient. Ganze Sequenzen sind beinahe buchstäblich aus Star Wars, Full Metal Jacket, Beverly Hills und alten Soldatenwestern entnommen. Überall schieben sich kantige Leni Riefenstahl Unterkiefer und Das-Weiße-im-Auge-des- Feindes-Blicke in die Leinwand. Verhoeven präsentiert das postmoderne Zitateraten allerdings nicht mit dem intellektuellen Bildungsgenuß der Coenbrüder, sondern mit diebischem Spaß am offenen Plagiat. Was die Eleganz der Kameraführung und Inszenierung angeht, übertrifft er nicht selten die Originale. Klischeehafter als das Klischee, das Prototypische von allem Nichtprototypischen befreit - Verhoevens Film beweist, daß blankes Entertainment auch ohne das Feigenblatt idiotisch menschelnder Probleme auskommt. Nicht jedoch ohne Propaganda. Damit enttarnt er Hollywood mit hollywoodeigenen Strategien und ist einem Produkt wie 'Independence Day' weit überlegen und subtiler als eine Parodie a la 'Mars Attacks'. Wie gesagt, elegant, intelligent, bösartig und ein kleines bißchen zu lang. Dafür sind die Computeranimationen von einer Qualität, nach der Cameron sich die Finger geschleckt hätte. Urs Richter
|