Fast       Food  Fast WomenFast Food Fast Women, USA 2000. Regie: Amos Kollek, mit Anna Thomson, Jamie Harris

Das Begehren im Blick

Das Weibliche im Titel und eine Frau im Zentrum der erzählten Episoden hindert "Fast Food Fast Woman" nicht daran, beide zum Objekt degradierender Schaulust zu machen als Aufhänger für dummdreistes Amusement zu benutzen. Gleich die erste Einstellung zeigt Bella im knappen Blümchenkleid und Stöckelschuhen, sie stakst über den Zebrastreifen, legt sich flach auf die Straße, bildfüllend wird ihr Körper dabei von der Kamera umspielt. Knapp dem Überfahren entronnen, fragt der schwitzende Autofahrer sogleich nach Gründen. Bella richtet sich auf und murmelt "to put some excitement in my sunday morning?" Dann, in die Kamera, daß die Geschichte dahinter sowieso zu lang sei. Die grelle Farbe des Kleides und ihre kokette Verwirrung stehen im krassem Gegensatz zur düsteren Absicht. Sieht so etwa ein Selbstmordversuch aus - in Stöckelschuhen? Bei "Mädchen" etwa?

Zumindest dient dieser Einstieg dem Entrollen einer Aneinanderreihung von Großstadt-Singles-Panoramen. Allesamt einsam, selbstzweiflerisch, mit unterschiedlichen sexuellen Obsessionen. "Fast Food Fast Woman" spielt in der erweiterten Kampfzone, ist dabei aber platter als das literarische Original. Die Figuren sind auf der Suche nach einem Partner, dabei voller Angst, in einer kalten Welt zu versagen, zu dick, zu dünn zu sein, keinen Conditioner in den Haaren zu haben. Die Rentnerin erzählt ihrer Freundin im Supermarkt, daß sie Angst habe, sich wieder vor einem Mann auszuziehen, dabei jongliert sie eine reife Orange von der einen in die andere Hand. Die Freundin weiß Rat: "keep the light low, let the wine flow..."

Geschlechterprobleme scheinbar objektiv-humoristisch in den Fokus nehmend, ist der Kamerablickpunkt trotzdem männlich: zwingt uns, voyeuristisch über die Hinterhoftreppe auf Bella zu spähen, wie sie telefoniert, dabei im BH auf dem Bett sitzt und vielversprechend an ihren Dessous herumnestelt. Später wirft sie krackelend ihr Handtuch in die Nacht hinaus auf den Penner, der sein Quartier unter ihrem Balkon aufgeschlagen hat. Kollek möchte seine Frontfrau tough finden. "Das ist eine, die Humor hat." Am Ende lacht sie im Duett mit einem bekehrten Macho und kümmert sich um das, worum sich Frauen kümmern sollten: gutes Essen - bei ihr kommt es, kleine exotische Note, auf Rollschuhen.

Die lispelnde Prostituierte und der nette ältere Herr treffen unter dem sympathelnden Blick des Regisseurs aufeinander und gehen aus der Begegnung gestärkt hervor. Die Rentnerin und der junge Taxifahrer haben einen Quickie, ihr Rosenkavalier klingelt danach prompt an der Tür. Das ist peinlich, im doppelten Umfang des Wortes. Die einzelnen Episoden und Figuren kulminieren in absurden Verwicklungen und Zufälligkeiten, deren Verwechslungs- und Mißverständnisspannungsbögen wenig Aussagekraft besitzen und nur durch groteske Plumpheit zu strahlen vermögen. Frauen sind schön und werden begehrt, die alternden Männer verharren in schwülstigen Voyeurismus, die jungen nehmen sich eine Lolita mit Lolli zwischen den Zähnen und verpassen ihren Termin beim Analytiker nicht. Das Männer wie Frauen dabei schlecht wegkommen, mag trösten, intelligent ist dieser Film auf jeden Fall nicht. Wer Phantasien über Frauen sehen möchte, mag da effizientere Wege finden.

Stefanie Maeck


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